Warnung vor Einkäufen bei Shein und Temu
Der Consumentenbond schlägt Alarm über Waren, die du über die beliebten chinesischen Plattformen Shein und Temu bestellen kannst. Eine aktuelle europäische Untersuchung zeigt, dass ein großer Teil der Produkte nicht den EU-Sicherheitsvorschriften entspricht. Einige Artikel sind sogar ausgesprochen gefährlich. Die Botschaft ist simpel: Willst du sichere Produkte, dann kaufe kein Spielzeug, keinen Schmuck oder Elektronik über diese Plattformen.
Die niedrigen Preise und das riesige Angebot sind verlockend, aber der wahre Preis kann deine Gesundheit sein. Besonders kleine Kinder sind gefährdet, weil in verschiedenen Artikeln schädliche Stoffe und unsichere Konstruktionen gefunden wurden.
So gingen die Forschenden vor
Vier Verbraucherorganisationen aus Deutschland, Frankreich, Belgien und Dänemark führten gemeinsam einen Praxistest durch. Insgesamt bestellten sie 162 Artikel: 81 bei Shein und 81 bei Temu. Die Käufe wurden anonym getätigt, wie bei einer normalen Onlinebestellung.
Der Fokus lag auf drei Kategorien, die in vielen Haushalten vorkommen: Spielzeug für die Kleinen, Schmuck wie Ketten und Ohrringe sowie elektronische Produkte wie USB-Ladegeräte. In spezialisierten Laboren wurden alle Artikel hinsichtlich verwendeter Materialien, Kennzeichnung, Konstruktion und elektrischer Sicherheit bewertet.

Was kam bei den Tests heraus?
Die Ergebnisse stimmen wenig optimistisch. Viele Produkte entsprechen nicht den europäischen Vorschriften. Bei Spielzeug traten gefährliche Stoffe auf, und kleine Teile lösten sich leicht, was zu Erstickungsgefahr führt. In Schmuck wurden giftige Metalle gefunden, die gemäß EU-Recht kaum vorhanden sein dürfen. Und bei USB-Ladegeräten gab es Probleme mit der elektrischen Sicherheit: zu hohe Temperaturen, Kurzschlussgefahr und in manchen Fällen sogar Brandgefahr.
Spielzeug: Chemie, die du nicht willst
Vor allem die Ergebnisse beim Spielzeug geben Anlass zur Sorge. In mehreren Produkten wurden hormonell wirksame Stoffe gefunden, darunter Nonylphenolethoxylate und Formaldehyd. Solche Chemikalien haben in Dingen, mit denen Kinder spielen, nichts zu suchen. Außerdem zeigte sich, dass kleine Teile mitunter spontan abfielen. Das kann in die Atemwege gelangen oder verschluckt werden. Auffällig war auch, dass Quietschspielzeuge teils so laut sind, dass es ein Risiko für Gehörschäden bei Kleinkindern gibt.
Schmuck: Schwermetalle auf der Haut
Bei den Schmuckstücken wiesen Labortests hohe Konzentrationen von Schwermetallen nach, darunter Cadmium. In einem Fall bestand eine Kette mit einem Kirschanhänger größtenteils aus diesem krebserregenden Stoff. Trägst du solchen Schmuck über längere Zeit, kann das ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen. Das Risiko liegt im direkten und wiederholten Hautkontakt.
USB-Ladegeräte: heiß, brüchig und riskant
Die Leistung billiger USB-Ladegeräte lag häufig deutlich unter der Norm. Nur wenige erfüllten die EU-Sicherheitsanforderungen. Viele Ladegeräte wurden gefährlich heiß, und einige Stecker waren so schwach, dass sie abbrechen konnten. Zudem war bei verschiedenen Modellen die interne Verdrahtung nur mangelhaft isoliert, wodurch die Gefahr von Kurzschlüssen oder Stromschlägen steigt. Lässt du ein solches Ladegerät längere Zeit in der Steckdose, erhöht sich das Brandrisiko.
Klug einkaufen: Worauf solltest du achten?
Wenn du trotzdem online shoppst, wähle Anbieter, die nachweislich den europäischen Regeln entsprechen. Prüfe, ob eine CE-Kennzeichnung vorhanden ist, ob die Anleitung auf Niederländisch beiliegt und ob der Verkäufer eine Adresse innerhalb der EU hat. Riecht ein Produkt stark chemisch, ist die Verarbeitung schlampig oder fehlt ein klares Etikett? Verwende es nicht und melde es beim Verkäufer oder beim Consumentenbond.
Hast du schon etwas im Haus?
Gehe deine Einkäufe kritisch durch. Lass Kinder nicht mit Spielzeug spielen, das Teile verliert oder chemisch riecht. Schmuck, der Reizungen verursacht, solltest du sofort ablegen und nicht mehr tragen. Ersetze dubiose USB-Ladegeräte durch ein Exemplar mit anerkanntem Prüfsiegel. Und Achtung: Produkte mit giftigen Stoffen gehören nicht in den Restmüll, sondern in den Sondermüll. Gib sie beim Wertstoffhof deiner Gemeinde ab, um zusätzliche Umweltschäden zu vermeiden.
Was sagen Shein und Temu?
Beide Plattformen wurden über die Ergebnisse informiert. Laut Consumentenbond nahm Temu die genannten Produkte zwar offline, startete jedoch keinen offiziellen Rückruf. Shein reagierte schneller: Dort verschwanden die risikoreichen Artikel sofort aus dem Verkauf und es folgte eine Rückrufmeldung. Beide Unternehmen betonen, Produktsicherheit wichtig zu finden. Shein startete zusätzliche, unabhängige Kontrollen; Temu gibt an, Verkäufer angesprochen zu haben und an einer besseren Einhaltung der EU-Regeln zu arbeiten. Dennoch betont der Consumentenbond, dass du als Verbraucher nicht erkennen kannst, ob ein Produkt wirklich sicher ist – und genau das macht Einkäufe über diese Plattformen riskant.
Wähle bewusst, vermeide Ärger
Ja, die Preise sind attraktiv, aber Sicherheit geht vor. Diese Untersuchung zeigt, dass viele Artikel nicht den grundlegenden Regeln entsprechen, die dich schützen sollen. Wenn du bewusster auswählst, Produkte sorgfältig prüfst und unsichere Dinge fachgerecht abgibst, verringerst du die Risiken für dich und andere. Ob Shein und Temu ihre Versprechen zur Produktsicherheit einlösen, wird sich in der nächsten Zeit zeigen.



