Ein anderer Weg als die Zweiverdiener-Norm
Während fast alle nach zwei Karrieren und vollen Terminkalendern streben, entscheidet sich Alyssa (29) ganz bewusst für etwas anderes. Sie möchte, dass das Leben als Hausfrau wieder wertgeschätzt wird – nicht nur als private Vorliebe, sondern als Weg zu mehr Glück. Zusammen mit ihrem Mann Tom (52), der beim Militär dient, traf sie eine Entscheidung, die vom heutigen Standard abweicht. Ihre Vereinbarung ist simpel: Sie führt den Haushalt, er arbeitet außer Haus, und dafür gibt es eine tägliche Vergütung von 100 Euro.
Wie es zwischen Alyssa und Tom begann
Als sich Alyssa und Tom kennenlernten, arbeitete und studierte sie noch intensiv. Alles drehte sich um Planung, Zeitpläne und Deadlines. Als ihre Beziehung ernster wurde und sie sich verlobten, brachte Alyssa eine Idee ins Spiel, bei der viele die Augenbrauen heben würden: ihren Job aufzugeben und zu Hause die Zügel in die Hand zu nehmen. Nicht, um es sich leicht zu machen, sondern weil sie glaubte, dass eine klare Rollenverteilung ihrem gemeinsamen Leben Ruhe bringen und das Beste aus ihrer Beziehung herausholen würde.
Rollenmuster neu betrachtet
Tom hatte ehrlich gesagt nie wirklich über eine so traditionelle Dynamik nachgedacht. In seinem Kopf passte eine Partnerin, die akademisch brillant und sportlich war, jemand, der genauso rackerte wie er. Aber die Praxis mit Alyssa öffnete ihm die Augen. Eine klassische Aufgabenteilung erwies sich als unerwartet vorteilhaft: Er fühlte weniger Druck und bemerkte, dass sich seine Gesundheit verbesserte, während sie die Erfüllung fand, die ihr im Arbeitsleben fehlte. Was altmodisch wirkt, funktionierte in ihrem Fall überraschend modern: klar, übersichtlich und besser für ihr Wohlbefinden.
Die Vereinbarung: 100 Euro pro Tag
Beim Geld machen sie es nicht kompliziert. Alyssa erhält täglich 100 Euro von Tom. Für Außenstehende klingt das vielleicht nach ‚Taschengeld‘, für sie ist es jedoch ein Symbol für Wertschätzung und Gleichberechtigung. Es ist ihre Art, den Wert unbezahlter Arbeit im Haushalt greifbar zu machen. Manche stellen ihre Motive infrage und nennen sie materialistisch. Tom ist da klar: Es geht nicht darum, der Partnerin ein Gehalt auszuzahlen, sondern um eine Entscheidung, die für beide funktioniert – getragen von Liebe, Vertrauen und praktischem Nutzen.

Online-Kritik und Missverständnisse
Dass Alyssa offen über ihren Lebensstil spricht, sorgt im Internet für heftige Diskussionen. Vor allem selbsternannte Feministinnen stellen ihre Entscheidung infrage und stellen sie bisweilen als jemanden dar, der ein Luxusleben auf Kosten anderer führen will. Für Alyssa ist das eine Karikatur. Sie betont, dass das, was sie tut, nichts mit Faulheit oder Abgreifen zu tun hat, sondern mit der bewussten Entscheidung für Ruhe, Struktur und eine Rolle, in der sie zur Geltung kommt. Es ist ihrer Ansicht nach ein legitimer Weg neben all den anderen Möglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten.
Selbstentfaltung jenseits des Arbeitsmarkts
Alyssa erzählt ihre Geschichte, weil sie merkt, dass sich viele Frauen, die über das Hausfrauen-Dasein nachdenken, nicht gesehen fühlen. Sie will zeigen, dass Selbstverwirklichung nicht nur über eine Karriere laufen muss. Für die einen liegt Erfüllung in Zielen und Beförderungen, für andere in einem reibungslos funktionierenden Haushalt und einem Partner, dem es dadurch besser geht. Das ist kein Rückschritt, sagt sie, sondern eine Entscheidung, die ebenso durchdacht und ambitioniert sein kann – nur mit einem anderen Endziel.
Bewusst gewähltes Glück
Mit ihrer Offenheit hofft Alyssa, das Bild von der ‚potenziell vergeudeten‘ Hausfrau hin zu ‚bewusst gewähltem Glück‘ zu drehen. Sie plädiert dafür, Raum für abweichende Entscheidungen zu lassen, auch wenn diese nicht zur aktuellen Norm des gemeinsamen Karrieremachens passen. In ihrem Fall hat die traditionelle Aufteilung nicht nur Ruhe gebracht, sondern auch ihre Bindung vertieft. Das ist für sie der Kern: gemeinsam eine Form zu finden, die das Leben besser macht.
Was ihre Geschichte deutlich macht
Am Ende geht es bei Alyssa und Tom um etwas Einfaches: Du darfst dein Leben anders gestalten als andere, solange es fair, gegenseitig und liebevoll ist. Die 100 Euro pro Tag sind kein Preisschild an ihrer Beziehung, sondern eine Art, Wertschätzung konkret zu machen. Ihre Entscheidung wird nicht alle ansprechen – und das muss sie auch nicht. Was zählt, ist, dass sie sich damit wohlfühlen – und dass Platz ist für mehr als nur eine Art Erfolgsgeschichte.



