Dieses alte Dieselauto ist viel sparsamer als heutige Hybride und kostet noch nicht einmal 600 Euro.

Alter Diesel stellt moderne Hybride bloß

Automarken werfen mit cleveren Hybrid-Architekturen und bleischweren Akkus um sich, um den Verbrauch zu drücken, aber ein britischer Journalist zeigt, dass man Sparsamkeit manchmal in einer ganz anderen Ecke findet. Er schnappte sich für einen Appel und ein Ei einen 22 Jahre alten Audi A2 mit Dieselmotor und fuhr los mit nur einem Ziel: die magische Grenze von 100 Meilen pro Gallone zu knacken. Das Ergebnis? Erstaunlich gut.

Der A2: kommerzieller Flop, technisches Meisterwerk

Als der Audi A2 um die Jahrtausendwende erschien, floppte er im Showroom, doch technisch war er ein fortschrittliches Leichtgewicht. Dank Aluminiumkarosserie wiegt er überraschend wenig – ein klarer Vorteil, wenn jeder Tropfen Kraftstoff zählen soll. Matt Prior von Autocar kaufte für 500 Pfund (etwa 575 Euro) ein heruntergerittenes Exemplar mit dem bekannten 1.4-TDI-Dreizylinder.

Das Ziel: 100 mpg bzw. 1 zu 35+

Prior zielte auf 100 miles per gallon – ein Meilenstein, der etwa 2,8 Liter pro 100 Kilometer entspricht. Umgerechnet reden wir über grob 1 zu 35. Kein Plug-in, kein Batteriepaket und kein E-Motor zur Unterstützung. Nur ein kleiner Diesel, viel Geduld und eine Fahrweise, die den Stolz der Effizienz unterordnet.

Minimalistische Vorbereitungen, maximale Wirkung

Das Auto wurde nicht mit Gadgets vollgehängt; die Eingriffe waren basic. Die Rückbank flog raus, um Gewicht zu sparen. Der Reifendruck wurde auf 2,7 bar erhöht, um den Rollwiderstand zu senken. Danach ging es auf die Autobahn, wo man mit konstanter Geschwindigkeit und etwas Strategie den größten Gewinn erzielt.

Der Windschatten-Trick

Der Ansatz war Old-School-Hypermiling: ein großes Fahrzeug suchen und in sicherem Abstand im Windschatten bleiben. Prior wählte regelmäßig einen Lkw oder Lieferwagen als „Hase“. Sobald dieser „Hase“ eine Ausfahrt nahm, sackte der Durchschnittsverbrauch ab: Was in den hohen 90 mpg lag, fiel zurück in Richtung Mitte 90. Jede Lücke im Verkehr fühlte sich an wie ein Leck im Tank.

Die zähen Kilometer und der unerwartete Glücksfall

Auf Abschnitten wie der A34 wurde es zur mentalen Prüfung. Man sieht den Durchschnitt langsam zurückgehen und weiß: Jeder Fehltritt kostet Reichweite. Dann kamen jedoch Straßenarbeiten auf der M27 mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 40 mph. Genau dort blüht der A2 auf. Bei dieser niedrigen, stabilen Geschwindigkeit rollt der leichte Audi mühelos, und jede Umdrehung des Dreizylinders bringt relativ viele Meter pro Tropfen.

Die erlösenden Zahlen

Ziel: Lee-on-the-Solent. Endstand im Bordcomputer: 100,9 mpg. Umgerechnet sind das etwa 1 zu 35,7. Moderne Sparmeister wie Toyota Prius oder Hyundai Ioniq sind effizient, aber diesen Wert in der Praxis zu erreichen ist schwierig. Bemerkenswert ist, dass es sich hier nicht um einen Labortest handelt, sondern um eine realistische Fahrt mit etwas strategischem Verkehrstempo und aerodynamischem Vorteil.

Spottbillig und fast kostenlos fahren

Die finanzielle Seite macht die Geschichte noch verrückter. Der A2 war so günstig, weil er keine gültige Prüfung mehr hatte und kosmetisch wenig her machte. Prior dachte zunächst: kurz 1000 Meilen fahren, dann wieder verkaufen. Aber mit so einem Ergebnis fühlt es sich dumm an, ihn wegzugeben. Verkauft er ihn dennoch zum Marktwert, hat ihn das Auto unterm Strich praktisch null Pence pro Meile gekostet.

Was das über 20 Jahre Fahrzeugtechnik sagt

In zwei Jahrzehnten sind Autos schlauer, schneller und sicherer geworden und vollgestopft mit Assistenten und Bildschirmen. Doch reine Effizienz ist nicht immer das Revier der neuesten Technik. Der A2 zeigt, dass ein leichtes Chassis, ein kleiner, sparsamer Motor und ein geduldiger rechter Fuß manchmal mehr bringen als komplexe Hybridsysteme. Es ist eine Erinnerung daran, dass Masse dein Feind ist und Aerodynamik kostenlose Kilometer schenken kann.

Die Lektion für dich

Willst du sparsam fahren ohne futuristisches Preisschild? Achte auf Gewicht, Reifendruck und konstante, niedrige Geschwindigkeiten. Nutze den Verkehr klug, ohne unsicher dicht auf deinen Vordermann aufzuschließen. Dieser alte Audi beweist, dass man mit nüchternen Entscheidungen und etwas Disziplin Werte erreichen kann, von denen moderne Technik oft nur träumt. Manchmal gab es die Lösung schon lange, bevor wir uns an Neues gewöhnt haben.

(Quelle: autobahn.eu)