Dieser Millionär baut 99 Tiny Houses für Obdachlose in seiner Stadt (so sieht es aus!)

Ein Vermögen für ein Zuhause vor Ort einsetzen

Stell dir vor: Du verkaufst dein Unternehmen für eine Summe, von der du mühelos den Rest deines Lebens leben kannst. Viele würden es ruhiger angehen lassen, doch Marcel LeBrun entschied sich für genau das Gegenteil. Nach dem Verkauf seines Technologieunternehmens Radian6 an Salesforce im Jahr 2011 – ein Deal im Wert von rund 340 Millionen Dollar – richtete er seinen Blick nicht auf Luxus, sondern auf seine Heimatstadt Fredericton, wo die Zahl der Menschen ohne festen Wohnsitz seit Jahren stieg.

Vom Exit zur Wirkung in der eigenen Stadt

Anstatt auf Abstand zu gehen, tauchte LeBrun tiefer in ein Thema ein, das ihn berührte: Obdachlosigkeit. Er wollte sich nicht mit einzelnen Spenden begnügen, die kurzfristig Linderung verschaffen, sondern eine Lösung aufbauen, die Menschen wirklich voranbringt. So entstand 12 Neighbours, seine eigene Stiftung, mit der er rund 4 Millionen Dollar in den Bau von 99 kompakten, eigenständigen Wohnungen investierte. Das Ziel: Stabilität schaffen, nicht nur ein temporäres Bett.

Ein Viertel, das Sicherheit und Ruhe ausstrahlt

Die Tiny Houses stehen zusammen in einem abgeschirmten Viertel mit kontrolliertem Zugang. Das klingt vielleicht nüchtern, doch es geht gerade um Sicherheit und Verlässlichkeit. Indem die Umgebung ruhig und übersichtlich gehalten wird, können die Bewohner zur Ruhe kommen, und Unterstützung wirkt deutlich besser. Es gibt Begleitung in den Bereichen psychische Gesundheit, Suchtberatung und medizinische Hilfe – ohne ständig von einer Anlaufstelle zur nächsten gehen zu müssen.

Arbeit, Rhythmus und Teilhabe

Wohnen ist das eine, doch ein Tag mit Struktur ist mindestens ebenso wichtig. Deshalb wurden innerhalb und rund um die Community Arbeitsprojekte aufgebaut. Bewohner können kleine Aufgaben übernehmen, neue Fähigkeiten erlernen und Schritt für Schritt wieder Vertrauen aufbauen. Genau darin liegt der Unterschied zur traditionellen Unterkunft, die oft vor allem auf Nothilfe statt auf Zukunftsperspektiven fokussiert.

Bezahlbares Wohnen als Hebel

Ein wichtiges Prinzip von 12 Neighbours ist, dass Wohnen bezahlbar sein muss. Die Bewohner geben höchstens dreißig Prozent ihres Einkommens für Miete aus; in der Praxis sind das oft etwa 200 Dollar im Monat. Darin sind die Fixkosten wie Energie und Internet bereits enthalten. So entsteht Spielraum, um Schulden anzugehen, Rücklagen zu bilden oder in Bildung zu investieren. Das Projekt zielt nicht auf Gewinn ab, sondern auf Erholung und Fortschritt – und bleibt dadurch auch langfristig tragfähig.

Von 99 auf etwa 120 Häuschen

Die erste Tranche umfasste 99 Wohnungen, doch der Zug hielt dort nicht an. 2025 wuchs die Zahl der Tiny Houses auf etwa 120. Damit erhielten noch mehr Menschen in und um Fredericton einen eigenen Platz. Gleichzeitig wurde schmerzlich deutlich, wie groß der Bedarf ist: Die Warteliste wuchs auf Hunderte Anmeldungen. Selbst in einer relativ kleinen Stadt ist der Bedarf an strukturellem, bezahlbarem Wohnraum enorm.

Was eine eigene Haustür bewirkt

Wenn man jahrelang zwischen Straße und Notunterkunft umhergeirrt ist, ist ein Schlüssel zu den eigenen vier Wänden weit mehr als nur Metall. Bewohner berichten, dass sie endlich wieder schlafen, ihr Hab und Gut nicht mehr bewachen müssen und ihren Tag ohne ständigen Stress planen können. Ein fester Ort gibt die Kontrolle zurück. Das soziale Gefüge im Viertel hilft dabei: Menschen achten aufeinander, essen gemeinsam oder gehen zusammen spazieren. Diese gegenseitige Unterstützung verringert das Risiko eines Rückfalls und stärkt das Vertrauen, dass man es tatsächlich schaffen kann.

Von einem praxistauglichen Modell lernen

Das Konzept von 12 Neighbours erregte schnell landesweit in Kanada Aufmerksamkeit. Kommunen und Hilfsorganisationen sehen darin eine konkrete Alternative zu groß angelegten Unterkünften, die oft anonym wirken und wenig Perspektive bieten. Delegationen reisen nach Fredericton, um zu sehen, wie hier Wohnen, Betreuung und Tagesstruktur ineinandergreifen und wie sich das praktisch organisieren lässt, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

Interesse über die Grenzen hinaus

Auch außerhalb Kanadas fragen Entscheidungsträger, wie übertragbar dieses Modell ist. Es überzeugt, weil es menschenzentriert ist, bei den Kosten transparent und relativ schnell skalierbar. Die Tiny Houses sind bescheiden, doch die Vorgehensweise darum herum – bezahlbare Miete, intensive Begleitung, ein sicheres Viertel und ein Weg in Arbeit – macht es größer als die Summe seiner Teile.

Mehr als Großzügigkeit: eine Vision

Der Erfolg lässt sich nicht allein durch die investierte Summe erklären. Entscheidend ist vor allem die Kombination aus Unternehmertum und gesellschaftlicher Verantwortung. LeBrun zeigt, dass man mit derselben Entschlossenheit, mit der man ein Unternehmen aufbaut, auch eine soziale Lösung schaffen kann, die Bestand hat. Das Projekt in Fredericton schärft damit eine Debatte: Wie können Städte Obdachlosigkeit strukturell angehen, und welche Rolle können erfolgreiche Unternehmer dabei spielen? Eines ist sicher: Wenn Wohlstand für dauerhafte Wirkung eingesetzt wird, verändert sich nicht nur jemandes Adresse, sondern auch jemandes Zukunft.