Wenn Milan (25) aus Zwolle mit seinen Eltern über Arbeit und Geld spricht, endet das Gespräch regelmäßig in einer Diskussion. Seinen Eltern zufolge arbeitet seine Generation zu wenig und erwartet zu viel. Milan sieht das ganz anders.
“Meine Eltern sagen, dass wir faul sind,” erzählt er. “Aber ihre Generation hatte es einfach viel leichter.”
Eine andere Startposition
Milan arbeitet Teilzeit in der Gastronomie und wohnt noch zu Hause. Nicht, weil er das will, sagt er, sondern weil eine eigene Wohnung für ihn derzeit unerreichbar ist.
“Wenn ich mir ansehe, was meine Eltern in meinem Alter hatten, ist der Unterschied enorm. Sie konnten mit einem Einkommen ein Haus kaufen.”
Seiner Ansicht nach hat sich die Situation für viele Jugendliche komplett verändert.
“Die Mieten sind extrem hoch, Häuser sind kaum bezahlbar und alles wird teurer. Da ist es leicht zu sagen, dass Jugendliche härter arbeiten sollen, aber das löst das Problem nicht.”

Der Wohnungsmarkt als Frustration
Für Milan ist der Wohnungsmarkt der größte Unterschied zwischen den Generationen.
“Meine Eltern kauften ihr erstes Haus in den 1990er-Jahren für einen Betrag, für den man heute vielleicht noch einen Parkplatz bekommt.”
Viele Jugendliche haben seiner Meinung nach das Gefühl, im Rückstand zu sein, bevor sie überhaupt anfangen.
“Selbst mit einem guten Gehalt ist es schwer, ein Haus zu kaufen. Das macht die Menschen zynisch.”
Generationenkonflikt
Diskussionen zwischen den Generationen über Arbeit und Geld sind nicht neu, treten nach Milans Eindruck aber immer häufiger auf.
“Meine Eltern glauben sehr stark an hartes Arbeiten: studieren, Vollzeitjob, Haus kaufen. Das hat für sie funktioniert. Aber die Welt hat sich verändert.”
Seiner Meinung nach verstehen viele ältere Menschen nicht, wie anders die heutige Situation ist.
“Wenn man sagt, dass etwas schwieriger geworden ist, denken sie sofort, man würde sich beschweren.”
Nicht faul, sondern realistisch
Milan hält die Kritik an seiner Generation für ungerecht.
“Viele Jugendliche arbeiten, studieren und haben dazu noch einen Nebenjob. Aber die Belohnung fühlt sich einfach geringer an.”
Seiner Ansicht nach suchen daher viele Gleichaltrige nach anderen Wegen, ihr Leben zu gestalten.
“Vielleicht wollen wir nicht alle 40 Stunden arbeiten für etwas, das sich ohnehin unerreichbar anfühlt.”
Verständnis zwischen den Generationen
Trotz der Diskussionen versucht Milan, seine Eltern zu verstehen.
“Sie haben ihr ganzes Leben hart gearbeitet und sehen das als den richtigen Weg.”
Trotzdem hofft er, dass es mehr Verständnis für die Situation der Jugendlichen gibt.
“Es geht nicht um Faulheit. Es geht um eine Welt, die einfach anders ist als früher.”



