Rachid ist 15 und fährt jeden Tag mit seinem Fatbike zur Schule. Für ihn ist es einfach ein Verkehrsmittel, das schnell und praktisch ist und Spaß macht. Dennoch merkt er, dass er unterwegs oft schiefe Blicke erntet. “Sobald Ältere mich ankommen sehen, sehe ich es schon,” sagt er. “Dann kommt dieses Gesicht, als ob ich etwas falsch mache, nur weil ich einfach nur Fahrrad fahre.” Laut Rachid ist die Verärgerung rund um Fatbikes inzwischen größer geworden als das Problem selbst.
Von Puch bis Fatbike
Was Rachid vor allem nicht versteht, ist der Mangel an historischem Bewusstsein. “Mein Opa hatte früher ein Puch-Moped,” erzählt er. “Das machte Lärm, stank und fuhr auch schnell.” Dennoch wird darüber heute oft nostalgisch gesprochen. Fatbikes sind seiner Meinung nach einfach die moderne Version davon. “Jede Generation hat etwas, worüber sich ältere Menschen ärgern,” sagt er. “Bei ihnen waren es Mopeds, bei uns sind es Fatbikes.”
Nicht jeder fährt asozial
Rachid erkennt an, dass es Jugendliche gibt, die sich danebenbenehmen. Zu schnell fahren, zu zweit auf einem Rad fahren, über Rot fahren. “Aber das hat früher auch nicht jeder ordentlich gemacht,” sagt er. “Man kann nicht eine ganze Gruppe wegen ein paar Idioten verurteilen.” Er findet es unfair, dass alle Jugendlichen sofort als Problem angesehen werden. “Ich halte mich an die Regeln, aber ich bekomme trotzdem Kritik.”

Symbol eines Generationenkonflikts
Laut Rachid geht es nicht nur um den Verkehr, sondern um ein allgemeineres Gefühl. “Es scheint, als sei alles, was Jugendliche tun, automatisch schlecht,” sagt er. Von Handys bis Kleidung, von Musik bis Verkehrsmitteln. “Fatbikes sind einfach das neueste Symbol.” Er merkt, dass Erwachsene schneller wütend werden und weniger Geduld haben. “Als ob wir per Definition asozial wären und sie immer recht hätten.”
Freiheit und Selbstständigkeit
Für Rachid bedeutet sein Fatbike Freiheit. Er muss nicht auf seine Eltern warten, kann selbst zur Schule, zum Sport und zu Freunden fahren. “Das ist doch gerade gut?” fragt er sich. Er sieht es als einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit. “Ältere sagen oft, dass Jugendliche zu abhängig sind, aber wenn wir selbst etwas regeln, ist es auch wieder nicht gut.”
Zuhören statt Meckern
Rachid würde lieber sehen, dass das Gespräch anders geführt wird. Weniger Rufe vom Gehweg, mehr Erklärung und gegenseitiges Verständnis. “Wenn jemand normal sagt, dass ich ruhiger fahren soll, höre ich wirklich zu,” sagt er. “Aber schimpfen oder sofort auf Facebook zu klagen, hilft niemandem.” Seiner Meinung nach sollten Regeln klar sein und für alle gelten, jung und alt.
Eine Frage an die Leser
Rachid weiß, dass seine Aussage provoziert, aber er will vor allem zeigen, dass Jugendliche nicht so anders sind als frühere Generationen. “Wir machen auch nur das, was sie früher gemacht haben, nur in einem neuen Gewand.” Er schließt mit einer Frage, die er gern an Erwachsene richten möchte, findet ihr Fatbikes wirklich das Problem, oder geht es vor allem darum, sich an eine neue Generation auf der Straße zu gewöhnen?



