Ein Notsignal, das du niemals ignorieren darfst
Bei einer Hirnblutung denken viele Menschen automatisch an eine ältere Person. Dieses Bild ist überholt. Immer häufiger trifft es auch Menschen, die mitten im Berufs- und Familienleben stehen. Mehr als die Hälfte der Patientinnen und Patienten ist jünger als siebzig. Gerade das Unerwartete macht es so gefährlich: Du rechnest nicht damit, und oft spürst du es nicht kommen.
Dennoch gibt es deutliche Warnzeichen, die du ernst nehmen musst. Wenn du sie erkennst und sofort handelst, kannst du Leben retten und bleibende Hirnschäden begrenzen. Der Unterschied zwischen schnellem Reagieren und Abwarten ist enorm.
Die Wahrscheinlichkeit ist wirklich nicht gering
Wir erschrecken oft, wenn wir hören, wie häufig es vorkommt: Ungefähr jede vierte Person erleidet im Laufe ihres Lebens einen Schlaganfall oder eine Hirnblutung. Das ist also kein Thema in weiter Ferne. Je früher Hilfe da ist, desto größer die Chance auf Genesung. Warten erhöht das Risiko bleibender Ausfälle.

Warum Hirnblutungen so tückisch sind
Bei älteren Menschen sind die bekannten Übeltäter oft klar: jahrelanges Rauchen, Arterienverkalkung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bei jüngeren Menschen kann es anders sein. Manchmal steckt eine angeborene Schwachstelle in einem Blutgefäß, die plötzlich reißt. Du merkst davon vorher meist nichts – bis es schiefgeht.
Ein Faktor spielt bei allen eine Rolle: Bluthochdruck. Nicht umsonst heißt er der stille Killer. Du spürst ihn oft nicht, aber deine Gefäße stehen permanent unter hohem Druck. Auch der Lebensstil spielt mit. Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht unmittelbar deinen Blutdruck; mehrere Gläser täglich vergrößern das Risiko, selbst wenn du dich sonst fit fühlst. Außerdem kann Vererbung eine Rolle spielen. Tritt in deiner Familie eine Hirnblutung in jungen Jahren auf, besprich das mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt. Nicht, um dir Sorgen zu machen, sondern um klug vorzubeugen.
Erkennen in Minuten: der BEFAST-Check
Bei einer Hirnblutung zählt jede Sekunde. Dennoch werden Anzeichen bei jungen Menschen oft als „Stress“ oder „kurze Schwindelattacke“ abgetan. Genau deshalb ist der BEFAST-Check so hilfreich. Mit dieser einfachen Checkliste kannst du schnell einschätzen, ob es ernst ist. BEFAST steht für Balance (Gleichgewicht), Eyes (Augen), Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit zu handeln).
Balance und Eyes: Achte auf das Gleichgewicht. Kann jemand plötzlich nicht mehr gerade gehen, wankt die Person ohne erkennbaren Grund oder tritt heftiger Drehschwindel auf? Das ist verdächtig. Sieh dir anschließend die Augen an: Plötzlich verschwommenes Sehen, Doppeltsehen oder der Verlust des Sehens auf einer Seite kann auf Probleme im Gehirn hinweisen. Diese Beschwerden können plötzlich beginnen und rasch schlimmer werden.
Face, Arms, Speech und Time: Bitte jemanden, zu lächeln, und schau, ob ein Mundwinkel hängt oder eine Gesichtshälfte weniger mitbewegt. Lass anschließend beide Arme nach vorn ausstrecken; sinkt einer ab oder gelingt es nicht, die Kraft zu halten, ist das ein Alarmsignal. Höre schließlich auf die Sprache: undeutliches Sprechen, nicht auf Worte kommen können oder verwirrt klingen (ohne Alkohol im Spiel) ist ein Warnsignal. Zweifelst du? Ruf sofort 112 an. Zeit ist wirklich alles: Je schneller die Behandlung beginnt, desto mehr Hirngewebe kannst du retten.
Warten ist das größte Risiko
Im Moment selbst spielen wir es oft herunter: „Kurz abwarten“, „das geht schon vorbei“. Bei einer Hirnblutung kann der Schaden jedoch mit jeder Minute zunehmen, die Blutung größer werden oder sogar eine weitere entstehen. Starke Kopfschmerzen sind nicht immer vorhanden, lass dich also nicht täuschen. Das wichtigste Zeichen ist plötzlicher Ausfall: Lähmungen, Sprachprobleme, Sehverlust oder extreme Schwindelgefühle. Lieber einmal zu oft 112 anrufen als einmal zu spät.
So senkst du dein eigenes Risiko
Verhindern lässt es sich nicht immer, aber du kannst deine Chancen verbessern. Kenne deinen Blutdruck und lass ihn regelmäßig kontrollieren; viele Menschen haben erhöhte Werte, ohne es zu wissen. Außerdem hilft es, in Bewegung zu bleiben, abwechslungsreich zu essen, Alkohol zu begrenzen und mit dem Rauchen aufzuhören. Achte auf die Krankheitsgeschichte in deiner Familie und besprich sie mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt, wenn es einen Anlass gibt. Und vielleicht das Wichtigste: Merke dir die BEFAST-Zeichen und teile sie mit den Menschen um dich herum. Wer schnell erkennt und schnell handelt, vergrößert die Chance auf vollständige Genesung erheblich.



