Ein süßer Zeitsprung
Erinnerst du dich noch an den Duft im alten Lieblingsbäcker, an die warmen Auslagen und die ewig gleichen Pappschachteln? In den 70ern und 80ern gab es Backwaren, die damals gefühlt an jeder Ecke lagen – und heute fast verschwunden sind. Hier kommt unsere nostalgische Reise durch 20 Klassiker, die wir als Kinder geliebt haben und die uns heute immer noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.
Knusprig und herzhaft
Splitterbrötchen waren die Könige der Frühstückstüte: außen kross aufgerissen, innen wattig und perfekt zum Eintunken in Kakao. Daneben stand das bodenständige Kommissbrot, ein kräftiges Mischbrot, das in der Vesperdose ebenso gut aussah wie auf dem Abendbrottisch. Und dann der Stuten – mild-süßes Milchbrot, im Toaster leicht karamellisiert, mit Butter und Marmelade ein kleiner Luxus. Drei Backwerke, die zeigen, wie viel Charakter in scheinbar einfachen Teigen steckt.
Blätterteig mit Wow-Effekt
Der Meißner Fummel war eine Sensation aus Luft und Blätterteig: federleicht, hauchdünn und so zerbrechlich, dass man schon beim Ansehen vorsichtig wurde. Daneben lockten Schillerlocken, auch Schaumrollen genannt – gebackene Teigrollen, gefüllt mit Schlagsahne oder Vanillecreme. Beides sind Paradebeispiele dafür, wie aus ein paar Zutaten etwas Verspieltes und Elegantes entsteht, das man am liebsten gleich vor Ort vernaschen wollte.
Schokolade, Creme und Torten-Träume
Granatsplitter waren die kleinen Rebellen der Auslage: kompakte Schokohügel, gerne mit einem Hauch Rum, die aus Kuchenresten neue Kunstwerke machten. Die Herrentorte dagegen trat feiner auf – nussig, schokoladig, oft mit einem dezenten Schuss, eindeutig eher etwas für die Großen. Und dann die Bismarck-Eiche, auch Baumstammroulade genannt: Biskuit aufgerollt mit Buttercreme, außen Schokolade oder Glasur – eine Rolle, die jede Kaffeetafel zur Bühne machte.
Aus der Fritteuse
Kaum etwas riecht so nach Kindheit wie frisch ausgebackenes Hefegebäck. Kameruner – gedrehte, knusprige Ringe – knusperten beim Reinbeißen. Hutkrapfen oder Kniekrapfen wurden traditionell dünn über dem Knie geformt, mit dickerem Rand und zartem Zentrum. Auszogne, je nach Region auch Ausgezogene genannt, waren ihre bayerischen Verwandten, bestäubt mit Zucker und unverschämt gut. Und natürlich die unzähligen regionalen Krapfen- und Berliner-Varianten: mit Hiffenmark, Pflaumenmus, Vanillecreme – in der fünften Jahreszeit durfte es auch mal ein Spaß-Füllungstreffer sein.
Gewürz und Tradition
Wenn es nach Anis, Honig und Gewürzen duftet, wird’s nostalgisch. Der Haddekuche – hart und würzig – wurde gern in Stücke gebrochen und langsam geknabbert. Die Anisbreze brachte das charakteristische Aroma in knuspriger Form auf den Teller. Aus Pulsnitz kam der Pfefferkuchen, ein würziger Lebkuchenklassiker, oft glasiert oder mit Konfitüre gefüllt – im Winter ein Muss. Und die Leipziger Lerche, ein Törtchen mit Mürbteig, Mandelmasse und einem Klecks Konfitüre, zeigt, wie Tradition und Feinbäckerei Hand in Hand gehen.
Blechkuchen und Kaffeegebäck
Amerikaner – das runde Gebäck mit glattem Zuckerguss – war der Pausenhof-Hit: mal hell, mal mit Schokoguss, immer saftig. Butterkuchen vom Blech, mit kleinen Buttermulden und Zuckerkruste, duftete schon von weitem nach Sonntagnachmittag. Buchteln wurden dicht an dicht gebacken, oft mit Marmelade gefüllt, und ließen sich wunderbar teilen. Und natürlich der Baumkuchen: Schicht für Schicht aufgebaut, manchmal mit Schokolade überzogen – selten selbst gebacken, aber als besonderes Stück vom Konditor heiß begehrt.

Warum wir sie vermissen
Diese 20 Backwaren stehen nicht nur für Geschmack, sondern für Rituale: das Brötchenholen am Samstag, der Stopp beim Bäcker nach der Schule, die Kaffeetafel bei Oma. Vieles davon gibt es noch, manches nur regional, anderes ist fast verschwunden. Aber die Lust auf ehrliche Teige, duftende Gewürze und knusprige Krusten ist geblieben. Vielleicht ist es an der Zeit, wieder öfter nach diesen Klassikern zu fragen – oder sie selber zu backen. Der erste Bissen wird dich direkt zurückbringen.



