Essen, das dein Leben kosten kann
Für die meisten von uns dreht sich Essen um Geselligkeit, Geschmack und das gemeinsame Zusammensitzen am Tisch. Doch nicht überall ist ein Teller Essen selbstverständlich sicher. Es gibt Gerichte, die bei falscher Zubereitung buchstäblich lebensgefährlich sind. Dennoch essen Millionen Menschen sie weiterhin – aus Gewohnheit, aus kulturellen Gründen oder schlicht, weil es keine Alternative gibt.
Warum sollte man etwas essen, das einen töten kann? Manchmal ist es Tradition, manchmal Armut, und manchmal der Reiz des Besonderen. Zwei berüchtigte Beispiele sind Maniok und Fugu. Beide können tödlich enden, wenn man nicht genau weiß, was man tut, und dennoch werden sie seit Generationen gegessen.
Maniok: alltäglich, aber riskant
Maniok sieht aus wie eine kräftige Wurzelknolle und wird oft mit der Süßkartoffel verglichen. Der Schein trügt, denn in der Wurzel und in den Blättern befinden sich Stoffe, die zu Cyanid umgewandelt werden können. Isst man Maniok roh oder ist die Verarbeitung schlampig, kann das zu einer schweren Vergiftung führen.
Die Symptome beginnen häufig mit Kopfschmerzen, Schwindel und Schwäche. In schwereren Fällen kommt es zu Lähmungen und es kann tödlich enden. Vor allem in Regionen, in denen Maniok ein Grundnahrungsmittel ist, treten solche Vorfälle immer noch auf. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben jedes Jahr etwa zweihundert Menschen an Maniokvergiftungen. Damit gehört es zu den gefährlichsten Lebensmitteln der Welt – ironischerweise ist es in vielen Ländern zugleich unverzichtbar.

Warum Maniok trotzdem auf den Tisch kommt
Man versteht sofort, warum Maniok so beliebt bleibt, wenn man sieht, wie sich die Pflanze verhält. Sie wächst gut auf mageren Böden, kommt mit Trockenheit und Hitze zurecht und benötigt wenig Pflege. Für mehr als achthundert Millionen Menschen in rund achtzig Ländern ist Maniok daher eine entscheidende Kohlenhydratquelle.
Die Sicherheit liegt in der Zubereitung. Durch Einweichen, Fermentieren, gründliches Kochen oder Trocknen der Knollen verschwindet ein Großteil des Cyanids. In vielen Gemeinschaften existieren traditionelle Methoden, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden. Für Familien in Teilen Afrikas, Südamerikas und Asiens ist Maniok daher mehr als Nahrung: Er ist eine Lebensader bei Missernten und Dürre, ein Symbol für Widerstandskraft und Überleben.
Fugu: japanische Delikatesse mit Giftstachel
Am anderen Ende des Spektrums steht Fugu, der japanische Kugelfisch. Diese Delikatesse ist berühmt für ihren feinen Geschmack und berüchtigt wegen Tetrodotoxin, eines Nervengifts, das laut BBC etwa zweihundertmal giftiger ist als Cyanid. Schon die kleinste Menge kann tödlich sein.
Wer das Gift aufnimmt, spürt meist zunächst ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl rund um den Mund. Danach können die Muskeln versagen. Schließlich setzt die Atmung aus, während man bei vollem Bewusstsein bleibt. Ein Gegengift gibt es nicht. Deshalb ist die Zubereitung in Japan streng reguliert: Nur Köche mit intensiver Ausbildung und Zertifizierung dürfen Fugu servieren. Ein einziger Fehler, und es geht schief.
Die Anziehungskraft des Risikos
Warum entscheiden sich Menschen bewusst für solche Risiken? Bei Fugu geht es oft um Tradition, Status und Bravour. Sein Verzehr gilt als mutige Entscheidung – etwas für diejenigen, die sich trauen. Die Spannung spielt ebenfalls eine Rolle; abenteuerlustige Esser und Touristen suchen dieses besondere Erlebnis, und Spezialrestaurants gehen darauf ein.
Bei Maniok ist der Antrieb völlig anders. Hier geht es nicht um Luxus, sondern um Notwendigkeit. Wenn wenig wächst, ist Maniok oft die einzige verlässliche Feldfrucht. Die Menschen wissen, wie sie ihn sicher machen, und vertrauen auf Techniken, die ihre Gemeinschaft seit Generationen anwendet.
Was Essen uns über Vertrauen lehrt
Ob man nun auf Maniok in dürregeplagten Regionen oder auf Fugu in japanischen Restaurants blickt – beides zeigt, dass Essen nicht per se sicher ist. Manchmal ist eine Mahlzeit eine Frage des Überlebens, manchmal eine der kulinarischen Tradition und des Handwerks. In beiden Fällen spielt Vertrauen eine Hauptrolle: in die Zubereitung, das Wissen und die Menschen, die sie herstellen.
Maniok lehrt, vorsichtig zu sein und klug mit dem umzugehen, was die Natur bietet. Fugu zeigt, wie weit Menschen gehen, um Geschmack und Technik zu feiern – selbst wenn Gefahr im Spiel ist. Essen ist also nicht nur Brennstoff; es ist auch eine Geschichte über Kultur, Notwendigkeit und Mut – und manchmal, wie hier, lebensgefährlich nah am Abgrund.



