Warum kratzt dein Hund gerade jetzt so oft?
Winterabende bedeuten für viele Menschen Sofa, Decke und ein zufrieden schnarchendes Haustier. Und dann dieses rhythmische Scharrgeräusch aus dem Körbchen: kratz, kratz, kratz. So gewöhnlich, dass man es fast nicht mehr hört. Dennoch bleibt die drängende Frage: Nestelt dein Hund aus Gewohnheit im Fell, oder steckt etwas Medizinisches dahinter? Mit den Feiertagen in Sicht, sinkenden Temperaturen und auf Hochtouren laufender Heizung können die Ursachen für Juckreiz sich von harmloser Unbequemlichkeit zu Signalen verschieben, die man besser ernst nimmt. Kannst du beruhigt schlafen, oder ist es Zeit, genauer hinzusehen und zuzuhören?
Wann verdient Kratzen wirklich deine Aufmerksamkeit?
Kratzen gehört zum Hundsein, genauso wie Schnüffeln oder Gähnen. Erst wenn sich das Verhalten wiederholt oder sogar zwanghaft wird, solltest du aufmerksam werden. Ein Hund, der fortwährend an seinem Schwanz knabbert oder heftig hinter den Ohren kratzt, liefert nicht bloß „Hintergrundgeräusche“. Das verlangt nach einem Check.

Anzeichen dafür, dass es nicht mehr ‚normal‘ ist
Es gibt Warnsignale. Denk an kahle Stellen, anhaltende Rötung, Kratzwunden oder Krusten. Achte auch auf das Verhalten: Zieht sich dein Hund zurück, knurrt er, wenn du ihn berührst, oder wirkt er angespannt, steckt oft mehr dahinter als Langeweile. Kratzen, das so häufig oder intensiv ist, dass es Schlaf oder den Alltag stört, weist meist auf körperliches Unbehagen hin.
Normales Kratzen versus ein echtes Problem
Gelegentliches Kratzen nach einem Spaziergang oder einer Kuschelrunde ist kein Grund zur Panik. Kontext, Dauer und Entwicklung machen den Unterschied. Wird Kratzen zur Hintergrundmusik deines Haushalts oder siehst du Hautspuren, ist zusätzliche Wachsamkeit sinnvoll. Besonders bei Krusten, dünner werdendem Fell oder deutlichen Hotspots. Es geht also weniger darum, dass dein Hund kratzt, sondern um die Zunahme und Intensität.
Parasiten und Pilze: kleine Eindringlinge, großer Juckreiz
Die üblichen Verdächtigen bleiben Parasiten: Flöhe, Zecken und Läuse halten keinen Winterschlaf und finden dein warmes Zuhause herrlich. Dazu kommen mikroskopische Pilze, etwa die Erreger von Ringelflechte, sowie Milben wie Räude- oder Demodexmilben – eine Mischung, die kräftig jucken kann. Eine sorgfältige Kontrolle von Haut und Fell, einschließlich Ohren und Zwischenzehenbereichen, sowie regelmäßiges Kämmen mit einem feinen Kamm helfen, ungebetene Gäste schnell aufzuspüren.
Allergien, Umgebung und verborgene Erkrankungen
Keine Tierchen gefunden? Dann rückt die Allergiespur in den Fokus. Futterüberempfindlichkeit durch neue Brocken oder festliche Snacks, eine Reaktion auf Pollen oder Hausstaubmilben oder Reizung durch ein neues Reinigungsmittel oder sogar den frisch geschmückten Weihnachtsbaum: All das ist möglich. Der Winter tut sein Übriges: Heizungsluft trocknet die Haut aus, und kurze Tage bringen die Routine durcheinander. Ein Hund, der sich weniger bewegt oder etwas nervös ist, kann dadurch schneller zwanghaft zu kratzen beginnen. Mitunter spielt etwas Grundlegendes mit, etwa eine hormonelle oder immunologische Störung, die nicht sofort auffällt.
Was kannst du zu Hause tun, bevor du den Tierarzt anrufst?
Keine Panik und keine wilden Selbstdiagnosen. Beginne mit den Basics. Inspiziere Haut und Fell ruhig und gründlich, einschließlich Ohren und Pfoten. Bürste häufiger, um lose Haare und pieksende Rückstände zu entfernen. Prüfe, ob deine Parasitenprophylaxe auf dem neuesten Stand ist – auch im Winter. Wasche Hundebettbezüge und Decken regelmäßig bei hoher Temperatur und lasse sie gut auslüften. Häufiges Baden begrenzen; wähle bei Bedarf ein mildes, für Hunde geeignetes Shampoo. Notiere, wann der Juckreiz aufflammt: nach dem Fressen, nach einem Spaziergang, abends? Solche Details helfen enorm, die Ursache herauszufinden.
Wann ist es Zeit für den Tierarzt?
Verschlimmert sich das Kratzen trotz deiner Bemühungen oder siehst du Krusten, Haarausfall, übermäßiges Lecken, Mattigkeit oder Stimmungsschwankungen, ist ein Termin sinnvoll. Kratzt sich dein Hund blutig oder verändert sich sein Verhalten deutlich, warte nicht. Eine schnelle, gezielte Diagnose verhindert Schlimmeres. Manche Hauterkrankungen und chronische Allergien erfordern eine maßgeschneiderte Behandlung – gerade in der kalten Jahreszeit, wenn Abwehr und Stimmung etwas sinken können.
Zum Schluss: Schluss mit den Kratz-Mythen
Gelegentliches Kratzen ist normal. Wenn es jedoch häufiger, intensiver oder von Haut- und Verhaltensveränderungen begleitet wird, ist Aufmerksamkeit gefragt. Ob Parasiten, Allergien, Stress oder eine Hauterkrankung: Hinter dem scheinbar harmlosen Gekratze kann eine echte Ursache stecken. Beobachte, packe zu Hause an, was möglich ist, und ziehe deinen Tierarzt hinzu, wenn es nötig ist. So kommt ihr gemeinsam gut durch den Winter – ohne das Kratzkonzert, das eure gemütlichen Abende übertönt.



